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Anmerkungen zur Lagerung von Cigarren

Die Elektronik hat sich in fast allen Lebensbereichen etabliert und beeinflusst damit auch unsere Einstellung zu den Dingen des Alltags. ABS, GPS, Airbags, Parktronic und andere elektronische Steuerungssysteme in unseren Autos, programmgesteuerte Heizungsanlagen, Waschmaschinen, Musik- und Videoanlagen... warum also sollte nicht auch ein Cigarrenhumidor...?

Eben nicht! Eine Humidor-Schatulle - und damit auch der in ihr lagernde Schatz von Cigarren - erfordert unsere ständige Pflege und Aufmerksamkeit. Mit dem Einlagern der Cigarren, Einträufeln von Wasser und/oder Regulierflüssigkeit und „Klappe zu!" ist es nicht getan. Die folgenden Erläuterungen und Hinweise sollen Ihnen die Handhabung Ihres Humidors erleichtern.

Eine relative Luftfeuchtigkeit von etwa 70% bei einer Raumtemperatur von etwa 18 Grad wird als ideal für die optimale Lagerung von Cigarren angesehen. Cigarren gleichen ihren Feuchtigkeitsgehalt relativ schnell der sie umgebenden Atmosphäre an. Im mollig beheizten Wohnzimmer rächt sich eine unsachgemäße Lagerung bereits innerhalb weniger Wochen. Zu trockene Cigarren erkennt man häufig schon an den „runzligen" oder grobgeäderten Deckblättern. Sie glimmen schneller und heißer, ihr Geschmack wird daher aggressiv stechend. Aber auch zu hohe Feuchtigkeit wirkt sich auf Cigarren nachteilig aus. Sie sind schwer im Zug, brennen oft ungleichmäßig mit schwarz gesprenkelter Asche, und sie schmecken unausgewogen.

Mit ein wenig Erfahrung können Sie leicht den optimalen Feuchtigkeitsgehalt einer Cigarre prüfen, indem Sie das Brandende zwischen Daumen und Zeigefinger mehrmals kurz drücken. Federt es elastisch in die Ausgangslage zurück, so ist die Cigarre richtig gefeuchtet. Scheint die Cigarre hart, knistert der Tabak auf Druck oder reißt sogar das Deckblatt ein, so ist sie zu trocken. Federt sie nicht zurück, sondern reagiert auf den Druck träge oder bleibt verquetscht, dann ist sie viel zu feucht gelagert worden.

Die Verwendung von Cigarren-Humidoren

Vor dem Befüllen einer Humidorschatulle muss erst einmal die nötige Feuchtigkeit eingebracht werden, andernfalls würde das trockene Holz den eingelagerten Cigarren sofort ihre Feuchtigkeit entziehen. Dazu lässt man am besten ein Schälchen mit Wasser oder einem wassergetränkten Schwämmchen einige Tage lang im leeren, geschlossenen Humidor stehen oder wischt die Innenflächen mehrere Male mit einem feuchten (nicht nassen!) sauberen Tuch aus. Hier ist ein Hygrometer, mit dem die meisten Humidore ausgerüstet sind, zur Kontrolle wirklich nützlich, denn nur mit seiner Hilfe erfahren wir, wann der gewünschte Feuchtigkeitsgrad in etwa erreicht ist.

Doch sollte man sich nicht blind auf dessen Anzeige verlassen, Toleranzen von einigen Prozent sind eher die Regel. Und wird ein Hygrometer nicht vor der Benutzung justiert, so liefert es keine verlässlichen Werte. Das Justieren ist denkbar einfach. Man wickelt das Hygrometer in ein mit Wasser durchfeuchtetes Tuch und steckt das Bündel für eine Stunde in eine Plastiktüte. Mit einem kleinen Schraubenzieher stellt man dann durch eine Öffnung auf der Rückseite des Geräts den Zeiger auf die Position zwischen 95% und 100%. Jetzt kann sich das Gerät auf die aktuelle Luftfeuchtigkeit einpendeln. Dies gilt übrigens nur für die Zeiger-Hygrometer, die digitalen batteriebetriebenen Messgeräte müssen (können) Sie nicht justieren.

In den überwiegend im Handel angebotenen Humidorschatullen wird eine Feuchtatmosphäre erzeugt und nach Möglichkeit aufrechterhalten. Eine Temperaturregelung geschieht hier jedoch nicht, sondern es herrscht im Inneren der Schatulle die gleiche Temperatur wie im umgebenden Raum. Und bei den als angenehm empfundenen Raumtemperaturen in unseren Wohnungen (i. d. R. höher als 20 Grad) ist der angestrebte Wert von 70% relativer Luftfeuchtigkeit eher zuviel des Guten. Für den Idealzustand bedürfte es zugleich einer Kühlung auf 17 bis 18 Grad. Im Interesse der Cigarren ist also der optimale Standort für eine Humidorschatulle eigentlich der kühlste Raum im Haus oder in der Wohnung: Keller, Speisekammer, Schlafzimmer, leider meist genau dort, wo wir unseren Humidor nicht mit Freude betrachten können. Nun ist der Aspekt der Dekoration und Integration in die Wohnlandschaft durchaus von Bedeutung, denn danach richtet sich die Auswahl der Schatulle, der Art des Holzes, der Farbe etc. Doch gilt es zu bedenken: direkt der Sonne ausgesetzt, klettert die Temperatur im Inneren des Humidors leicht auf Werte weit über 30 Grad. Und wenn dies täglich eine halbe Stunde oder gar länger der Fall ist, kann das unangenehme Folgen haben: Schimmelpilze, d.h. ihre Sporen, sind in der Luft allgegenwärtig. Sie lieben warme, feuchte Bedingungen und machen auch vor Cigarren nicht Halt. Daher unser dringender Rat, den Humidor möglichst an einem kühlen, zumindest der Sonne abgewandten Ort aufzustellen.

Außerdem gilt: klammern Sie sich nicht sklavisch an die „magische Zahl" von 70% Luftfeuchtigkeit - unter Normalbedingungen sind Werte von 60% oder etwas darüber ausreichend. Vertrauen Sie stattdessen lieber auf ihr Fingerspitzengefühl, um den Zustand Ihrer Cigarren wirklich regelmäßig zu prüfen und bei zu geringer Feuchte mit etwas destilliertem Wasser nachzuhelfen oder bei zu hoher Feuchte durch längeres Öffnen des Deckels Ausgleich zu schaffen.

Zu guter Letzt noch ein Tipp für die Benutzung von Cigarren-Etuis. Etuis aus Leder oder Holz entziehen den Cigarren Feuchtigkeit. Wenn Sie also vor dem Befüllen das Etui von innen ein wenig feucht auswischen, halten sich die Cigarren lange Zeit gut konditioniert und bieten Ihnen den gewohnten und ersehnten Genuss.

Befeuchter- und Regulatorsysteme

Um die Feuchtatmosphäre im Humidor konstant zu halten, sind die meisten Schatullen mit einem Befeuchtungssystem ausgerüstet. In der Regel sind dies flache Kunststoffkapseln von unterschiedlicher Form und Größe, sieb- oder gitterartig mit Löchern versehen und mit saugfähigem Material befüllt (heute in vielen Fällen quellfähiges Acrylpolymer-Granulat), die entweder mit einem Magneten oder mit Klettband im Deckel des Humidors befestigt werden. Sie werden mit destilliertem Wasser getränkt, welches dann im Humidor verdunstet und die Luftfeuchtigkeit auf dem gewünscht hohen Niveau hält. Bei sinkender Feuchtigkeit füllt man den Befeuchter einfach wieder mit destilliertem Wasser auf.

Eine interessante Spielart sind die Regulatorsysteme. Sie werden mit einer speziell zusammengesetzten Flüssigkeit getränkt, welche über längere Zeit die Luftfeuchtigkeit im Humidor auf gleichem Niveau hält, jedoch keine Feuchtigkeit liefert. Diese Systeme können also nur wirken, nachdem die nötige Feuchtatmosphäre durch die bereits beschriebenen Vorkehrungen erzeugt wurde. Auch diese Systeme müssen von Zeit zu Zeit neu befüllt werden, die Hersteller bieten spezielle „Refills" an und geben Ihnen Empfehlungen für den richtigen Zeitpunkt zum Nachfüllen. Die oben genannten „einfacheren" Befeuchter lassen sich durchaus auch mit einer Regulatorflüssigkeit statt mit Wasser befüllen. Von der Notwendigkeit einer ständigen Kontrolle des Humidorinhalts auf seinen Zustand entheben uns diese Systeme allerdings nicht. Die mit regelmäßigem kurzzeitigem Öffnen des Humidors einhergehende Frischluftzufuhr werden Ihre Cigarren dankbar zur Kenntnis nehmen, und Sie vermeiden das Entstehen von muffigem Geruch.